Abendgebet "Fremd sein" Ruprechtskirche, 07.11.2002

  • Lied: "Die Brücken" (DweSs 464)
  • Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
  • Begrüßung, Einführung in das Thema

    Thema des heutigen Gebetsabends sind die Ausländerinnen und Ausländer in unserem Land.
    Bevor ich bei der Caritas im entsprechenden Bereich zu arbeiten begann, war mein Bild von den "Ausländern" ziemlich diffus. Ausländer, das waren - abgesehen von den geldbringenden Touristen - jene Menschen, die irgendwie schlechter gestellt waren als Österreicher - sie mussten hier ja neu beginnen - , die aber doch im Großen und Ganzen das erhielten, was sie brauchten.
    In der Zwischenzeit hat sich mein Bild geschärft: Ausländer, das sind Bürger zweiter Klasse. Genauer: Bürger zweiter, dritter und weiterer Klassen. Ich erfuhr von einem Franzosen, der von einem österreichischen Beamten beschimpft wurde. Als er sich beschwerte, entschuldigte sich der Beamte: er hatte angenommen, dass der Betroffene Jugoslawe sei - einen Franzosen wollte er nicht auf diese Weise beleidigen.
    Ausländer sind durch die Bank in wesentlichen Lebensbereichen schlechter gestellt als Inländer: Von der Beschäftigung bis zum Wohnen, von der Sozialhilfe bis zum Familienleben, von der Mitbestimmung im Betrieb bis zum grundlegenden Recht, hier zu bleiben.
    Warum sind sie denn nach Österreich gekommen? Wenn wir die unverschuldete Gnade erfahren haben, ein einem wohlhabenden und friedlichem Land geboren zu sein, so können wir kaum die Motive ermessen, die einen Menschen schließlich dazu treiben, die Lieben und die Heimat zu verlassen und sich den Gefahren der Fremde auszusetzen. Gewiss ist: kaum ein Mensch verlässt seine Heimat ohne Not.
    Bürger zweiter Klasse: ihr Schicksal ähnelt damit dem Los, das die Juden über Jahrhunderte in unseren Breiten zu tragen hatten und deren Ausgrenzung im November 1938 in der Reichskristallnacht einen vorläufigen, traurigen Höhepunkt erreicht hatte.
    Ausländerinnen und Ausländer, Bürger zweiter Klasse, schwach an Rechten, oft wehrlos: Die biblischen Texte, die wir heute hören, sind vor zwei- oder dreitausend Jahren geschrieben worden, doch an ihrer Aktualität und Brisanz haben sie keineswegs eingebüßt.

  • Lied: "Shalom chaverim" (DweSs 607)
  • Entzünden der Osterkerze
  • Gebet nach Psalm 51

    Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott
    und Gott unserer Väter und Mütter,
    Gott Abrahams und Gott Sarahs,
    Gott Isaaks und Gott Rebekkas,
    Gott Jakobs, Gott Rahels und Gott Leas.
    Du bist groß und mächtig. Dir gebührt unsere Ehrfurcht.
    Du bist über alles erhaben. Du vollbringst Wohltaten.
    Alles hältst du in deiner Hand.
    Du erinnerst dich an die Frömmigkeit unserer Vorfahren
    und bringst deshalb liebevoll ihren Enkeln Erlösung
    um deines Namens willen.
    Du regierst und hilfst,
    du bist Rettung und Schutzschild.
    Gepriesen seist du, Ewiger,
    unser Gott, Schutzschild Abrahams und Saras.

  • Lied: "Shalom chaverim" (im Kanon)
  • Lesung: Lev 19,33-34

    Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten.

  • Lesung: Dtn 23,16

    Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt.

  • Lesung: Sir 29,21-28

    Schlimm ist ein Leben von einem Haus zum anderen; wo du fremd bist, darfst du den Mund nicht auftun.

  • Lesung: Mt 25,34-40

    Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.

  • Stille
  • Freie Fürbitten, als Antwortruf "Kyrie 10" (Taizé)
  • Gebet

    Lass die Welt wieder von deiner Gerechtigkeit beherrscht sein,
    so dass alle Trauer und jeder Kummer aus der Welt verschwinden.
    Herrsche du allein über uns in Güte und Erbarmen.
    Gott, sorge du für unser Recht!
    Du liebst Gerechtigkeit und Recht.
    Gepriesen seist du, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

  • Vater unser
  • Friedensgruß

    Dem da
    dem anderen
    dem wildfremden
    der mir gleichgültig ist
    der mich nichts angeht
    dem man nicht trauen kann
    dem man besser aus dem Weg geht
    dem man es schon von weitem ansieht
    der sich nicht unterstehen soll
    dem ich es schon zeigen werde
    dem da wünsch ich den Frieden

  • Lied: "Hine ma tov" (DweSs 601)
  • Segen
  • Lied: "Sind wir nicht alle Kinder des einen Vaters"

Hinweis: Gesprächsabend "Zur Situation von Ausländerinnen und Ausländern in Österreich" am 14. November 2002