Gebetsstunde "Friede durch Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit" Michaelerkirche, 22.03.2003
- Lied: Blowing in the wind (von Bob Dylan)
- Begrüßung (Sylvia Berger, Katholische Jugend)
- Einführung (Christian Friesl, Katholische Aktion)
Vor fünf Wochen hatten wir gehofft, die Uhren der Kriegsmaschinerie anhalten zu können.
Wie heute haben wir dafür gebetet und sind auf die Straße gegangen. "5 vor 12" zwar, aber die Chance auf
eine friedliche Lösung war da.
Die Hoffnungen wurden enttäuscht, die Chancen vergeben. Wieder einmal setzten sich Macht- und Eigeninteressen
durch gegenüber der Vision einer gewaltfreien Konfliktlösung.
Noch nie da gewesen ist die internationale Einhelligkeit der Zivilgesellschaft gegen diesen Krieg,
noch nie da gewesen die Eindeutigkeit der Aussagen aller Kirchenführer, dass es den gerechten, den
"rechtfertigbaren" Krieg nicht geben kann. Wir hier wissen uns auf der Seite jener, welche der Option
der Gewalt die Logik der Gewaltlosigkeit und des Friedens gegenüber stellen.
Unsere Aufrufe richten sich an beide Seiten: An Saddam und das irakische Regime, der Gerechtigkeit und
dem Frieden den Weg freizumachen. An die USA und ihre Verbündeten: Kehrt auf den Weg des Friedens zurück.
Wir sind überzeugt, dass Frieden möglich ist: Eine gerechtere Verteilung der Lebenschancen, internationale
ökonomische und politische Gerechtigkeit, Beteiligung an den wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten
der Staatengemeinschaft sind jene Schritte, die einem friedlichen Zusammenleben eher den Weg bereiten werden
als Waffen.
Auch wenn es nun "zu spät" scheinen mag, "5 nach 12" sozusagen, hören wir nicht auf, das Ende des Krieges
zu fordern.
- Unsere Gedanken gelten in dieser Stunde vor jenen, die Leidtragende dieser humanitären Katastrophe sind: Flüchtlinge und Zivilbevölkerung brauchen jetzt Hilfe. Am besten durch handfeste monetäre Unterstützung der Hilfsorganisationen. (Spenden sammeln?)
- Wir Christinnen und Christen, die Zivilgesellschaft, die österreichische Politik, die internationale Gemeinschaft, sind jetzt aufgerufen, energisch ihre Stimme zu erheben, damit dieser Krieg so schnell als möglich beendet wird. Wir werden uns anschließend mit vielen anderen der Demonstration für den Frieden anschließen.
- Unser Friedens-Engagement bringen wir als Christinnen und Christen nicht nur auf der Straße zum Ausdruck,
sondern auch im Gebet. Hier und jetzt in der Anrufung Gottes, in der Vergewisserung seiner Zusage, dass er der
wahre "Fürst des Friedens" ist.
- Text von Kent Keith, den Mutter Teresa in die Wand ihres Kinderheims in Kalkutta eingravieren ließ (Luisa Sello, Fokolarbewegung)
Der Mensch ist unvernünftig, unlogisch, egoistisch:
Macht nichts. Liebe ihn trotzdem!
Wenn du Gutes tust, werden sie dir Hintergedanken vorwerfen:
Macht nichts. Tu das Gute!
Wenn du deine Ziele verfolgst, wirst du falsche Freunde und wahre Feinde finden:
Macht nichts. Verwirkliche deine Ziele!
Das Gute, das du heute tust, wird morgen vergessen sein:
Macht nichts. Tu das Gute!
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar:
Macht nichts. Sei trotzdem ehrlich und offen!
Du gibst das Beste von dir selbst und sie treten dich mit Füßen:
Macht nichts. Engagiere dich trotzdem!
Wenn du den Leuten hilfst, werden sie dich vielleicht angreifen:
Macht nichts. Hilf ihnen trotzdem!
Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden:
Macht nichts. Bau auf!
Denn schlussendlich ist es eine Sache zwischen dir und Gott,
mit niemand anderem als mit ihm.
- Lied: Misericordias Domini (aus Taizé; von Jacques Berthier)
- Text von Mahatma Gandhi (Pete Hämmerle, Internat. Versöhnungsbund)
Die Lehre, die aus der unerhörten Tragödie der Atombombe gezogen werden kann, ist die,
dass keine Bombe durch eine andere zerstört werden kann, ebensowenig wie Gewalt durch Gewalt unwirksam
gemacht wird.
Die Menschheit kann die Gewalt nur durch Gewaltlosigkeit überwinden.
Hass kann nur durch Liebe überwunden werden.
Gegenhass verstärkt nicht nur den Hass in seinen Äußerungen, sondern auch in seiner
Intensität.
- Lied: Schalom chaverim
- Evangelium: Mt 26, 51-52 (Monika Heitz)
- Gedanken (Franz Küberl, Caritas)
Der Evangeliumstext aus der Verhaftungsszene Jesu am Ölberg führt uns unmittelbar
in die entsetzliche Situation der Menschen im Irak hinein. Es ist eine lange Nacht, von der man nicht
weiß, wann sie endet und wer sie überlebt. Und das Wort Jesu - denn alle, die zum Schwert greifen,
werden durch das Schwert umkommen - ist in den Konsequenzen hautnah und atemnah spürbar.
[der gesamte Text im Word-Format...]
- Lied: Da pacem cordium (aus Taizé; von Jacques Berthier)
- Friedensgruß, weiße Bänder anknüpfen (Daniel Vychytil, Christentum & Gerechtigkeit)
- Fürbitten (Antonia Himmel-Agisburg, Christentum & Gerechtigkeit)
Friede und Gerechtigkeit, wo seid ihr? Gott, wo bist du?
Höre auf unsere Bitten, die wir mit betroffenen Herzen vor Dich bringen.
- Der Krieg im Irak dauert bereits drei Tagen. Die Menschen im Irak haben Angst vom Bombenhagel
getroffen zu werden. Gott wir bitten Dich stärke die Bevölkerung des Irak in dieser schweren Zeit.
- Dieser Krieg fordert wie jeder Krieg Verletzte und Tote, auch unter Zivilisten.
Gott wir wollen Dich bitten für alle Opfer dieses Krieges, vor allem auch für die Verletzten, lass ihnen
rechtzeitig Hilfe zukommen.
- Mittlerweile sind bereits zehn Tausende Menschen auf der Flucht. Gott schenke ihnen
in den Nachbarländern, aber auch bei uns, Orte der Aufnahme und Menschen, die sich ihrer annehmen.
- Die Helfer vieler Hilfsorganisationen werden in den nächsten Tagen und Monaten
mit dem Leid und Elend dieses Krieges konfrontiert. Gott stärke sie in ihrem unermüdlichen Einsatz
für diese Menschen.
- Die Menschen weltweit und auch wir spüren Ohnmacht und Wut über diesen Krieg.
Gott wir bitten dich hilf uns das Gefühl der Ohnmacht abzulegen und wandle es in Engagement
für mehr Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.
- Weltweit setzen sich Tausende Menschen gewaltfrei gegen diesen Krieg ein.
Gott wir bitten dich für alle Friedensaktivisten schenke ihnen Ausdauer, Mut und Kreativität
in ihrem Engagement gegen diesen Krieg.
- Wir wollen bei diesem Gebet nicht vergessen, dass es auch in vielen anderen
Ländern Krieg und Menschenrechtsverletzungen gibt. Gott wir bitten dich schenke der Welt
deinen Frieden und deine Gerechtigkeit.
Gott, du bist ein Gott des Friedens, der Gerechtigkeit und der Liebe.
Nimm diese Bitten, aber auch die Bitten, die wir still in unseren Herzen
tragen, in deiner Gnade an. Darum bitten wir durch Christus unseren
Bruder. Amen.
- Vater unser von Gotlind Hammer (Felix Bertram, Pax Christi)
Vater unser im Himmel,
aber auch Vater der Iraker und der Amerikaner, der Christen, Juden, Moslems, ...
Dein Reich komme
Nach Basra, Bagdad, Washington, London.
Lass die Mächtigen die Not der Ohnmöchtigen sehen und die Bereitschaft zum Frieden finden.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden;
Bei mir will ich anfangen, Deinen Willen zu tun,
denn es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden
als über die Dunkelheit zu jammern.
Unser täglich Brot gib uns heute
Und lass es uns teilen im Vertrauen auf Dich,
so wie Jesu Jünger zwei Fische und fünf Brote geteilt haben
und 5000 wurden satt.
Und vergib uns unsere Schuld,
wenn wir unaufmerksam, bequem und abweisend waren.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldnern...
Vergeben wir denn wirklich?
Geben wir her unsere Vorurteile, aber auch unsere Vorteile
Und manchmal unser vermeintlich "gutes Recht"?
Und führe uns nicht in Versuchung,
in die Versuchung zur Resignation, der Verbitterung,
des Rückzugs in eine Scheuklappen-Idylle
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Befreie die Welt von der tödlichen Last des Krieges
Und gib uns allen neue Hoffnung
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
- Lied: Selig seid ihr (von Peter Janssens)
- gemeinsames Bekenntnisgebet von Hildegard Goss-Mayr
Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Sprache der Waffen,
an die Macht der Mächtigen.
Doch ich will glauben an das Recht des Menschen,
an die offene Hand,
an die Gewaltlosigkeit.
Ich will nicht glauben an Rasse oder Reichtum,
an Vorrecht und Privilegien,
an feststehende Ordnungen.
Doch ich will glauben,
dass alle Menschen wirklich Menschen sind
und dass die Ordnung des Unrechts
wirklich Unrecht ist.
Ich glaube nicht, dass ich Unterdrückung bekämpfen kann,
wenn ich irgendein Unrecht bestehen lasse.
Doch ich will glauben, dass das recht ungeteilt ist,
hier und dort
und dass ich nicht frei bin,
solange noch irgendein Mensch Sklave ist.
Ich glaube nicht, dass Liebe Selbstbetrug, Freundschaft unzuverlässig
und alle Worte Lügen sind.
Doch ich will glauben an die Liebe, die erträgt,
an die Offenheit und das Vertrauen zueinander
und ein Wort, das wirklich sagt, was es sagt.
- Segen (Weihbischof Helmut Krätzl)
- Lied: Schweige und höre (von Michael Hermes)
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