Abendgebet "Aufwachen" Ruprechtskirche, 03.04.2003

  • Lied: "Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn" (Figuera / Halffter) (DweSs 425)
  • Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
  • Begrüßung, Einführung in das Thema: Die Sozialkritik des Amos und in unserer Zeit

    • Beruf: Schafzüchter und Maulbeerfeigenritzer, einer, der nicht seinen Lebensunterhalt durch Prophetisches Reden verdienen muss
    • lebt in BetEl und Samaria – geboren im Südreich, wirkt im Nordreich Israels
    • ein Mann, der politisch und historisch gebildet ist, der die Geschichte des Landes Israel kennt und aufmerksam die soziale Situation seiner Zeit, 760 v.Christus (unter Jerobeam II) beobachtet:
    • es scheint alles ruhig zu sein: außenpolitischer Frieden, innerer Wohlstand
    • er ist von Gott berufen, hat eine Vision: Gott ist ein gerechter Gott, und das Heil hängt vom Gerechtsein seines Volkes ab
    • "Gott brüllt vom Zion" – Jahwe ist nicht nur Richter Israels, sondern auch Richter der Völker bis hinaus an die Grenzen des Kosmos
    • was prangert Amos, der Schafzüchter und Maulbeerfeigenritzer an? was sieht dieser Mann in den scheinbar so guten Zeiten? er weist die Schuld auf: Schuldlose werden um Geld verkauft, der Luxus der Reichen beruht auf den Kosten der Armen, Maße und Gewichte sind gefälscht, ein Mann und dessen Vater vergewaltigen dieselbe Frau
    • Amos, der Prophet der sozialen Gerechtigkeit
    • Amos, nicht einer, der richtet, aber einer, der Unrecht sieht und das gesehene Unrecht ausspricht
    • Amos, einer, der falsche Sicherheiten aufdeckt, an Hochmut und Reichtum kratzt, einer, der den Reichtum der Kultur hinterfragt
    • "Gott brüllt vom Zion" – aber: gibt es auch Hoffnung? gibt es für uns Hoffnung, wenn wir die Zeiten sozialkritisch hinterfragen?
    • Amos gibt keine Hoffnung – dennoch: eine redaktionelle spätere Bearbeitung des Buches Amos legt Amos die Worte Gottes in den Mund: "Suchet mich, so werdet ihr leben."

    Antonia Himmel-Agisburg

  • Instrumentalmusik

    Der Westen muss jetzt zeigen, dass er nicht nur für militärische Stärke, sondern auch für Gerechtigkeit und Menschlichkeit steht. Der Krieg gegen die Armut ist billiger und wirkungsvoller als der Krieg gegen die Armen. Wir müssen endlich in einen partnerschaftlichen Dialog mit der islamischen Welt eintreten und aufhören, so zu tun, als gäbe es keine Alternative zum amerikanischen Kulturmodell, das für die meisten Menschen beim Geldverdienen aufhört.
    Wir müssen unsere Entwicklungshilfe vor allem für gemäßigte muslimische Länder verstärken. Armut ist ein gefährlicher Nährboden für Terrorismus. Täglich verhungern auf der Welt 20.000 Kinder. Das scheint uns alle kaum zu stören. Als Terroristen am 11. September im World Trade Center über 3.000 Menschen ermordeten, sprach der amerikanische Präsident zu Recht von einem Anschlag gegen unsere Zivilisation. Aber warum hat noch nie ein amerikanischer Präsident oder ein deutscher Bundeskanzler von einem Anschlag gegen unsere Zivilisation gesprochen, wenn täglich 20.000 Kinder verhungern?
    Warum wachen wir immer erst auf, wenn aus Hunger Ungerechtigkeit und aus Hoffnungslosigkeit Terrorismus entsteht?

    Jürgen Todenhöfer

  • Lied: "Ihr Reichen habt Erbarmen"

    Text: Helmut Schlegel. Musik: Stephan Sahm

  • Blumen nach vorne bringen; Entzünden der Osterkerze
  • Lesung: Amos 8,4-8a

    Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt. Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen. Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen. Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld. Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen. Sollte deshalb die Erde nicht beben, sollten nicht alle ihre Bewohner voll Trauer sein?

  • Stille
  • Freie Fürbitten
  • Lied: "Erbarme dich unserer Zeit" (DweSs 143)
  • Vater unser
  • Friedensgruß
  • Lied: "Shalom chaverim" (DweSs 607)
  • Segen
  • Lied: "Kleines Senfkorn Hoffnung" (Alois Albrecht / Ludger Edelkötter) (DweSs 255)