Abendgebet "Lieben und Arbeiten" Ruprechtskirche, 01.05.2003
- Lied: Ich lobe meinen Gott (DweSs 176, von Hans-Jürgen Netz / Christoph Lehmann)
- Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
- Begrüßung, Einführung in das Thema
Im Anfang war Gott,
im Anfang die Quelle von allem, was ist,
im Anfang die Sehnsucht: Gott
Gott – die stöhnende
Gott – die in Wehen liegende
Gott – die gebärende
Gott – die jubelnde
Gott, voller Liebe für ihr Geschöpf,
sprach: es ist gut!
Dann hielt Gott zärtlich die Erde im Arm,
wissend, dass alles Gute geteilt sein will.
Gott sehnte sich nach Verbundenheit.
Gott wollte die gute Erde teilen mit anderen,
und die Menschheit ward geboren aus Gottes Verlangen.
Wir wurden geboren, die Erde zu teilen.
(Carter Heyward: Our Passion for Justice. Images of Power, Sexuality and Liberation, New York: Pilgrim Press 1984)
Lieben und arbeiten – zwei Dimensionen Gottes, und zwei Dimensionen des Menschseins,
denn als Mann und Frau tragen wir den Funken der schöpferischen und liebenden Göttlichkeit in uns.
Wir sind, indem wir arbeiten und lieben.
Arbeit schafft das Leben, Arbeit gibt uns Halt und Struktur in unserm Alltag,
Arbeit ermöglicht uns Beziehungen, soziale Kontakte, Arbeit ist Sinnstiftend und Not-wendend,
Arbeit ist wert-voll.
Gott schuf die Menschen Gott zum Bilde als Arbeiter und als Liebende. Aber über Arbeit
und Liebe, menschliche Sexualität, können wir nur sprechen, wenn wir ihre heute entfremdete Gestalt wahrnehmen.
Entfremdete Arbeit: der Mensch, gefangen in der Tretmühle Arbeit. Gefangen im Produktionszwang, im Leistungsdruck,
im Stress. Menschliche Arbeit wird zum Fluch. Menschen hocken in der Tretmühle,
erfüllen monoton eine ewig gleichbleibende, langweilige und nervende Pflicht anstatt kreativ zu arbeiten
und schöpferisch tätig zu sein. Die Freude etwas hervorzubringen, die Liebe ist dem Menschen
in der Tretmühle genommen.
Wenige Menschen haben das Privileg, eine Arbeit zu tun, die ihnen wirklich Freude macht –
dennoch, viele von uns hier haben die Wahl, Ja oder Nein zu einer Arbeit zu sagen.
Wirkliche Entfremdung von Arbeit geschieht, wenn der Arbeiter von seinem Produkt, das anderen gehört,
entfremdet ist, wenn ein Arbeitsprozess in der kapitalistischen Gesellschaft die Menschen gegeneinander ausspielt.
Menschen leben und arbeiten in der Entfremdung durch Herrschaft.
Arbeit – ist das ein anerkanntes Menschenrecht? Keine Arbeit bedeutet „no future“, lautet ein Slogan der 90er Jahre.
Als Frau weiß ich um die Erfahrung, dass liebende Arbeit Zukunft bedeutet. Arbeit ist nicht nur Lohnarbeit – aber:
Arbeit entspricht auch ein gerechter Lohn! Frauen spiegeln ihren Gott im Backen des Brotes,
im Sorgen und Aufziehen der Kinder, im kreativen Gestalten der Schöpfung und in der Pflege
des Wachsens und im Behüten des Sterbens wider. Was ist Arbeit und wofür bekommst du Geld?
Wischen wir diese Frage nicht allzu fromm vom Tisch, während uns die Arbeit des Kochens noch auf der Zunge liegt!
Eine Theologie der Arbeit kann es sich nicht leisten, auf das prophetische Element zu verzichten.
Und so beten wir mit Dorothee Sölle, unserer Schwester, die uns sprühend vor Liebe und schöpferisch
tatkräftig in ihrer Arbeit vorausgegangen ist:
Komm, Heilige Geistin,
erneuere die Gestalt der Erde
versöhn uns mit der Luft
die wir verpesten
versöhn uns mit dem Wasser
das wir vergiften
versöhn uns mit dem Land
das wir zubetonieren
Komm, Heilige Geistin,
erneuere unsere Wünsche
und das Angesicht der Erde.
Amen.
Antonia Himmel-Agisburg
Dorothee Sölle: lieben und arbeiten,
Stuttgart: Kreuz Verlag 1985
Dorothee Sölle: Erinnert euch an den Regenbogen,
Freiburg: Herder 1999
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Erfüllt bin ich von Trauer und Wut
strukturelle Gewalt wurde mir angetan
Gedemütigt meinen Arbeitsplatz verloren
meine Würde und Menschlichkeit
auf einmal in Frage gestellt
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Umbringen könnte ich meine Gewalttäter
nie werde ich ihnen verzeihen können
ins Gesicht möchte ich ihnen spucken
Du bestärkst mich meinen Zorn auszudrücken
weil nur dadurch mein Leid anerkannt wird
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Meine Schreie werden mich von meinem Hass befreien
Du sprichst davon
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Gilt dies auch mir
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Vertrauend werde ich meine Wut ausdrücken
und irgendwann die Versöhnung nicht
aus den Augen lassen
Ungerechtigkeiten hinausschreien
um einmal verzeihen zu können
mit Dir
Wer Gerechtigkeit liebt, dem zeig ich mein Heil.
Pierre Stutz nach Psalm 50
- Lied: Alleluja, Alleluja (DweSs 403, von Zappala / Mancuso)
- Osterkerze anzünden
- Lesung: Mt 20,1-15
Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
- Stille
- Freie Fürbitten
- Vater unser
- Lied: Anderes Osterlied (von Kurt Marti / Peter Janssens)
- Friedensgruß
- Segen
Möge das Licht deiner Seele dich leiten.
Möge das Licht deiner Seele deine Arbeit mit der heimlichen Liebe und Wärme deines Herzens segnen.
Mögest du in allem, was du tust, die Schönheit deiner Seele erblicken.
Möge die Heiligkeit deiner Arbeit denen, die mit dir zusammenarbeiten, und denen, die deine Arbeit sehen und Nutzen aus ihr ziehen, Heilung, Licht und Erneuerung schenken.
Mögest du deiner Arbeit niemals überdrüssig werden.
Möge sie dir Quelle der Erquickung, der Inspiration und der Begeisterung sein.
Mögest Du gegenwärtig sein in allem, was du tust.
Mögest du dich nie in gedankenloser Gleichgültigkeit verlieren.
Möge der Tag dir niemals zur Last werden.
Möge der Morgen dich wach und munter antreffen, bereit, deinem neuen Tag mit Träumen, Hoffnungen und positiven Erwartungen entgegenzutreten.
Möge der Abend dich heiter und zufrieden antreffen.
Mögest du gesegnet, behütet und geborgen in die Nacht eingehen.
Möge deine Seele dich beruhigen, trösten und erneuern.
Irischer Segen für die Arbeit
- Lied: Wenn das Brot, das wir teilen (DweSs 257, von C.P.März / Kurt Grahl)
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