Abendgebet "Ruth Pfau" Ruprechtskirche, 02.10.2003
- Liedprobe
- Begrüßung: Christoph
- Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
- Lied: "Das Lied von der Veränderung der Welt"
- Begrüßung, Einführung in das Thema: Georg Atzwanger
"Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich ihm ganz überließen."
Für jede und jeden von uns hier Versammelten, ja für jeden Menschen überhaupt, hat Gott eine bestimmte Geschichte, einen bestimmten Plan vor.
Quer durch die Jahrhunderte haben immer wieder Frauen und Männer den Mut gefunden, sich ganz dem Geist Gottes zu öffnen und sich entschieden den Herausforderungen ihrer Zeit zu stellen.
Ihr Weg und ihr Leben wollen auch uns Mut machen, Gott ernst zu nehmen und auf unsere Träume zu hören.
So soll auch "Christentum & Gerechtigkeit" ein Rahmen sein, in dem wir Frauen und Männer aus allen Konfessionen in den Fokus zu nehmen und uns von ihrer Botschaft berühren lassen. Was haben uns ein Albert Schweitzer zu sagen, eine Mutter Theresa, was Zeugen der orthodoxen Kirche, die wir vielleicht noch gar nicht kennen?
Vielleicht können wir so in wertschätzender Ökumene die Reichtümer entdecken, die Gott seinen Kirchen geschenkt hat.
An diesem Abend wollen wir den Blick auf eine Frau werfen, die noch heute als 74jährige mit Phantasie und Leidenschaft in Palästina gegen die Lepra arbeitet: Ruth Pfau.
Ruth Pfau wird 1929 in Leipzig geboren. In ihrer Jugend erlebt sie das martialische Gehabe der Nazis, die Luftangriffe auf ihre Heimatstadt und die Not der Nachkriegsjahre.
In Mainz beginnt sie Medizin zu studieren.
Sie macht sich weltanschaulich auf die Suche, beschäftigt sich mit verschiedenen Philosophien und Parteien und findet schließlich zum katholischen Glauben.
Sie schließt ihr Studium ab. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Schere zwischen der todbringenden Armut der „Dritten Welt“ und den Anfängen des Wirtschaftswunders daheim in Deutschland stellt sie fest: „Nichts kann ich für mich so schwer akzeptieren wie ein banales Leben.“, und beschließt, ihr gerade erst entdecktes Christentum in einem Orden zu verwirklichen, der die Nähe zu Christus und die Arbeit an den Brennpunkten der Not verbindet.
Auf diese Weise wird sie nach Karachi, Pakistan geführt.
Christian Feldmann schreibt dazu in seiner Biographie1 zu Ruth Pfau:
... Karachi platzt (zum Zeitpunkt ihrer Ankunft) aus allen Nähten. Immer neue Flüchtlingswellen branden aus den umgebenden Wüsten heran, in weniger als einem Jahrzehnt wächst die Einwohnerzahl von 350.000 auf 900.000. Massen ausgehungerter Elendsgestalten ohne Arbeit und Zukunftshoffnung kämpfen um jeden Quadratmeter Lebensraum.
Mittendrin in diesem niederdrückenden Inferno die Töchter vom Herzen Mariä, die Kinder unterrichten, Kranke versorgen, Sterbende von den Straßen aufsammeln.
"Was mich aber damals noch mehr erschüttert hat", berichtet Ruth Pfau, "das war dieser eine Patient. Nicht älter als ich, noch keine Dreißig: Mohammed Hassan. Er kam aus dem Norden Pakistans, aus den Bergen. Und er kroch, auf Händen und Füßen, in den Bretterverschlag. Auf allen vieren, wie ein Hund. Vielleicht hätte mich das noch nicht so aufgebracht. Aber dann dies: Seine Mitpatienten traten gleichmütig zur Seite, keiner regte sich auf. So, als sei das eine Selbstverständlichkeit. Etwas, wogegen sich aufzulehnen keinen Sinn hat: dass ein Mensch so auf Händen und Füßen durch Staub und Schmutz kriechen müsse ... Dieses Ja zur Entwürdigung hat mich fast betäubt. Dass diese Menschen dachten, ihr Zustand sei normal.“
Damals, an diesem ersten Tag im Aussätzigenviertel hatte Ruth Pfau einen Anfall produktiver Wut: "Berenice, das kann nicht so weitergehen“, stammelte sie zornig, „etwas, irgend etwas werden wir tun!“ ... „Blitzartig ... liefen in diesen Minuten die Fäden meines Lebens zusammen. Es war, wie wenn man seine große Liebe trifft: ein und für allemal. Dies war nun entschieden und galt für immer."
Nun entfaltet Ruth Pfau ihre ganze Energie und Kreativität für die Leprösen. Sie untersucht und operiert in windschiefen Baracken, improvisiert, macht aus Bettüchern Verbandsmaterial, gewöhnt Patienten an Wachsbäder und Massagen.
Daneben läuft sie von Stelle zu Stelle, um auf das Elend der Leprösen aufmerksam zu machen, baut Kontakte zu Spendern auf. Nachts lernt sie Urdu und arbeitet sich durch medizinische Werke zur Leprabehandlung.
Eine Klinik im Zentrum von Karachi entsteht, Programme für die Nachbehandlung Geheilter etabliert und Ruth Pfau wird zu einer angesehen Fachfrau der Lepratherapie.
Aber sie bleibt nicht nur in Karachi. Ihr abenteuerliches Engagement führt sie in die Berge Pakistans und in das bürgerkriegsgeschüttelte Afghanistan. Sie geht in die Dörfer, um Aussätzige und Verstoßene aufzuspüren und zu behandeln und die Menschen über die Krankheit aufzuklären.
Genug erzählt. Wer mehr wissen will, kann zu ihren Büchern greifen oder die Gelegenheit wahrnehmen, sie nächste Woche persönlich kennen zu lernen.
- Entzünden der Osterkerze
- Lied: Kyrie (Taizé)
Wichtig ist für mich die Wegerfahrung. Es gibt einen Weg nach Astor, so selbstmörderisch und lebensgefährlich, dass selbst die erfahrensten Jeepfahrer vorher gedopt sind. Man fährt so einen Weg nur, wenn man entweder sechzehn ist oder später, wenn man Chunza-Wasser getrunken hat. Es gibt aber nur diesen Weg ...
Als wir losfuhren, war ein Jeep vor uns gefahren. Der hatte Radspuren hinterlassen. Wenn man im Wagen sitzt, sieht man nur den Abgrund. Der Jeep ist ja ein wenig breiter als die Radspuren. Da aber vor uns ein Wagen gefahren war, konnte man sehen, dass selbst an den engsten Stellen die Straße breit genug war. Zumindest so breit, dass er gerade noch mit den Rädern durchgekommen war. Ich starrte 20 Kilometer fasziniert auf diese Radspuren und dachte: Der ist ja auch durchgekommen.
Dann kommt man um die Ecke und sieht die Hängebrücke vor sich und eine ganz enge Schlucht, durch die der Wind ständig faucht. Die Brücke bewegt sich infolgedessen, und man muss davorstehen, bis sie kommt, und den richtigen Augenblick abwarten, um mit den Rädern draufzufahren, damit sie stabilisiert wird. Aber auf der anderen Seite, da weitet sich alles, da ist das Abenteuer vorbei.
Mir ging in diesem Moment etwas auf, was ich nie wieder aus dem Kopf brachte: die Frage der Nachfolge. Du läufst ja nur hinterher. Wenn Er es geschafft hat, warum sollst du es nicht schaffen? Er hat es sogar garantiert: „Ich bin der Weg!“ Ich weiss nicht, wie man im Westen eine solche Urerfahrung vermitteln kann.
(Ruth Pfau)
- Lied: Wenn das Brot, das wir teilen
- Lesung:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Mt 5,13-16
- Stille
- Freie Fürbitten, Antwortruf:
- Vater unser
- Friedensgruß
- Lied: Um Himmels willen gebt die Erde nicht auf
- Segen:
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