Abendgebet "Gewaltfreiheit" Ruprechtskirche, 04.12.2003
- Lied: "Ich will gegen das Geläut der Leute" (DweSs 434)
Text: Wilhelm Willms. Musik: Peter Janssens
- Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
- "Gewaltfreiheit" - betrifft uns dieses Thema überhaupt?
Natürlich, an vielen Orten der Welt herrscht Gewalt, aber wir grenzen uns entschieden dagegen ab.
Mit Gewalt wollen wir nichts zu tun haben. Gewalt gehört nicht zu unserem Problemlösungsrepertoire.
Das Problem, dass wir uns manchmal im Ton vergreifen und so "Gewalt in der Sprache" ausüben, ist uns wohl allen bewusst.
Aber wir arbeiten diesbezüglich an uns und darum nocheinmal: Gewalt ist für uns kein Thema.
Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, hielt einen aufrüttelnden Vortrag.
Die Sprache der Globalisierungskritik ist scharfzüngig, provokant.
Die Wortmeldungen der anschließenden Diskussion brachten die ohnmächtige Wut des Publikums zum Ausdruck.
"Gebt uns ein Feindbild, gegen das wir vorgehen können!"
Beim G8-Gipfel in Genua 2001 kam es zu Straßenschlachten zwischen Polizei und Globalisierungsgegnern.
Wieviel Gewaltbereitschaft schlummert in uns?
Was bewirkt das Gefühl der Ohnmacht in uns? Resignation? Zorn?
Die Botschaft der Bergpredigt: Finde dich nicht ab mit den Zuständen, wirke dem Mainstream entgegen,
engagiere dich für das Reich Gottes - aber ohne Gewalt.
Christoph Enzinger
Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Sprache der Waffen, an die Macht der Mächtigen. |
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Doch ich will glauben an das Recht des Menschen,
an die offene Hand,
an die Gewaltlosigkeit. |
Ich will nicht glauben an Rasse oder Reichtum,
an Vorrecht und Privilegien,
an feststehende Ordnungen. |
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Doch ich will glauben,
dass alle Menschen wirklich Menschen sind
und dass die Ordnung des Unrechts wirklich Unordnung ist. |
Ich glaube nicht, dass ich Unterdrückung bekämpfen kann,
wenn ich irgendein Unrecht bestehen lasse. |
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Doch ich will glauben, dass das Recht ungeteilt ist,
hier und dort
und dass ich nicht frei bin,
solange noch irgendein Mensch Sklave ist. |
Ich glaube nicht, dass Liebe Selbstbetrug,
Freundschaft unzuverlässig und alle Worte Lügen sind. |
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Doch ich will glauben an die Liebe, die erträgt,
an die Offenheit und das Vertrauen zueinander
und an ein Wort, das wirklich sagt, was es sagt. |
Hildegard Goss-Mayr
- Lied: Alleluia 7 (Taizé)
- Lesung: Mt 5,38-42
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
- Stille
- Freie Fürbitten
- Friedensgruß
- Lied: "Dein Friede kommt nicht durch Gewalt"
Text: Alois Albrecht. Musik: Peter Janssens
- Vater unser
- Lied: "Mach aus mir ein Werkzeug deines Friedens" (DweSs 454)
Text: Souvenir Normand. Musik: M. Schlatzer OFM
Gott Heiliger Geist wie eine leise Brise -
verändere unser Leben.
Lass Demut und Dankbarkeit unter uns wachsen und überwinde Neid und Missgunst.
Hilf uns, gemeinsam Wege aus der Gewalt zu suchen.
Gott Heiliger Geist wie ein frischer Wind -
reinige unsere Köpfe und Herzen vom alles bestimmenden Materialismus
und verwandle unsere Gleichgültigkeit in liebevolles Füreinander.
Hilf uns, gemeinsam Wege aus der Gewalt zu entdecken.
Gott Heiliger Geist wie ein starker Sturm
fege hinweg unsere Kultur des Misstrauens und der Vergeltung
und schaffe Raum für eine Kultur des Erbarmens und der Gewaltfreiheit.
Hilf uns, gemeinsam Wege aus der Gewalt zu gehen.
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