Abendgebet "Durch Erziehung die Welt positiv verändern" Ruprechtskirche, 08.01.2004
- Lied: "Höre Israel" (DweSs 75)
Text und Musik: Helga Poppe
- Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
- Lied: "Kyrie" (DweSs 140)
Daniel Vychytil
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Für uns bedeutet Erziehung, die Menschen hinzuführen zu ihrer vollen Entfaltung als Geschöpf und Abbild Gottes und sie zu befähigen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten.
(aus: ISG 22, Arme Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. Schulzentrum Friesgasse, Wien XV.)
Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.
Mit diesem Jubelruf des Propheten Jesaja feiern und vergegenwärtigen wir als ChristInnen das Fest der Geburt Jesu, des Erlösers.
Ein Kind ist uns geboren. Ein Kind, das aufwachsen will, das Geborgenheit, Wärme und Liebe braucht, unendliche Geduld, um sich zu entfalten, um das zu werden wozu jeder Mensch gerufen ist: Abbild Gottes zu sein. Gott ist Mensch geworden, damit wir göttlich werden.
Ein Kind ist uns geboren. Es will erzogen werden. Und uns allen stellt sich die Frage nach der Sorge und Erziehung unserer Kinder im Geist der Gerechtigkeit und des Friedens.
Ich arbeite in einer Schule, deren Leitgedanke es ist: Durch Erziehung die Welt verändern.
Was bedeutet es, die Welt durch Erziehung zu verändern?
Wenn Sie frühere Bilder und Abbildungen von Jesus betrachten, Malerein in den Katakomben bis hin zum 4. Jhd, werden Sie oftmals Jesus als Lehrenden erkennen, im Kreis seiner SchülerInnen. Es war die dringende Frage der JüngerInnen, gelehrt zu werden: Herr, lehre uns beten!
Jesus lehrt die seinen und gibt ihnen als Weisung das Vater Unser mit:
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.
Durch Erziehung die Welt verändern. Diese grundlegende Lehre Jesu, die Menschen von Anfang an wörtlich aufgegriffen haben, die Maria am Grab nochmals vom Auferstandenen gesagt bekommt: ‚Laufe und künde das Evangelium vom Reich Gottes!', diese Lehre ist es, die die Welt verändert.
Als ChristInnen sind wir gerufen den Willen Gottes zu suchen, am Reich Gottes mitzubauen, die Welt zu verändern.
Zwei Frauen in der Tradition nehmen diesen Auftrag wörtlich für ihr Leben, zwei Frauen, deren Werk meine eigene Erziehung und mein Erziehen grundlegend prägen: Angela Merici und Maria Theresia Gerhardinger.
Angela Merici lebt an der Wende zum 16. Jahrhundert in Italien - eine Zeit des kirchlichen und gesellschaftlichen Umbruches, Zeit der Reformation und Reform der Kirche.
Durch Erziehung die Welt verändern - für Angela Merici konkret die Welt von Frauen, deren der Zugang zu Bildung weitgehend versagt war. Sie gründet keinen Orden, keine klausurierte Gemeinschaft, sondern eine lose Vereinigung von Frauen, die sich um das Nötige kümmern: Die Erziehung von Mädchen und Frauen. Sie lehrt Respekt und Achtung vor jungen Menschen, sie beharrt auf der unendlichen Geduld, die Jugendliche brauchen um sich entfalten zu können, sie ermahnt ständig die Erwachsenen, Vorbilder zu sein und zu tun, was sie lehren: Im Geist des Evangeliums zu leben.
Die Schulen der Ursulinen - Angela Merici wählt den Namen der Hl. Ursula als Patronin ihrer Gemeinschaft - sind bis heute ein Ort des Lernens und Lehrens im Geist des Evangeliums.
Angela Mericis Wahlspruch war: Haltet euch an den altbewährten Weg der Kirche - aber lebt ein neues Leben. Bis heute sind Ursulinenschulen von diesem Motto geprägt: Vita nova!
Durch Erziehung die Welt verändern: Zwei Jahrhunderte später macht sich erneut eine Frau auf und realisiert die Lehre Jesu konkret in ihrem Umfeld. Wiederum besinnt sich eine Frau darauf, die Ärmsten und Bedürftigsten der Gesellschaft zu lehren: Frauen, Mädchen, denen aus gesellschaftlichen Gründen Bildung und somit Entfaltung verwehrt ist. 1833 gründet M.Theresia Gerhardinger die ersten Schulen der Schulschwestern, die heute eine internationale Gemeinschaft sind. Bis heute sind SSND Schulen Privatschulen, die durch Erziehung und Bildung ausdrücklich dazu ihren Beitrag leisten, unsere Gesellschaft und damit die Welt positiv zu verändern.
Aufgewachsen im Geist der Hl. Angela Merici, geprägt vom Wahlspruch ‚Ein neues Leben auf dem altbewährten Weg zu führen' finde ich in meiner Arbeit als Lehrerin im Schulzentrum Friesgasse vieles Bekannte wieder: Unserem Dienst liegt die tiefe Hoffnung und Überzeugung zugrunde, dass dadurch ein Stück Gottes Herrschaft wachsen kann, eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens. Buntheit, Gewaltverzicht - auch verbaler Gewaltverzicht! -, Versöhnungsbereitschaft, das Mühen um die Bewahrung der Schöpfung sind in der Friesgasse nicht nur "Wörter", sondern Auftrag und Ziel.
Den Schulschwestern Theresa Gerhadingers ist vielleicht sehr nahe, was Angela Merici mit den Worten beschrieben hat: "Auf dem altbewährten Weg ein neues Leben führen".
So möchte ich Ihnen Sr. Karin, Leiterin Schulzentrum in der Friesgasse, vorstellen - eine dritte Frau, die ihr ganzes Sein in den Dienst Jesu stellt: "Wir erziehen durch alles was wir sind und tun". Sr. Karins Mail-Anschrift erinnert immer neu daran, dass es möglich und nötig ist, in kleinen, kreativen aber beharrlichen Schritten am Reich Gottes mitzubauen: "Transforming the World through Education".
Sr. Karin wird uns heute im Anschluss an das Gebet mehr über die Schule Friesgasse, über die Möglichkeit des Lernens und Lehrens in einer bunten Vielfalt von Sprachen, Religionen und Kulturen berichten.
Ein Kind ist uns geboren. Es will erzogen werden.
Wir alle sind gerufen, den Kindern eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens zu bewahren und zu schaffen.
Wir alle sind gerufen, zu erziehen und uns erziehen zu lassen, im Geist Jesu: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe - damit die Welt verändert wird.
Antonia Himmel-Agisburg
- Lied: "Halleluia" (DweSs 185)
- Lesung: Lk 11,1-4
- Lied: "Halleluia" (DweSs 185)
- Stille
- Lied: Lehre, Herr uns beten
- Freie Fürbitten
- Friedensgruß
- Vater unser gesungen, Musik: Nikolaj Rimskij-Korsakow (DweSs 224)
- Segen
- Lied: "Von guten Mächten wunderbar geborgen" (DweSs 2)
Text: Dietrich Bonhoeffer, Musik: Siegfried Fietz
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