Abendgebet "Nicht Mauern braucht das Heilige Land, sondern Brücken!" Ruprechtskirche, 03.06.2004

  • Liedprobe
  • Begrüßung: Georg
  • Lied: "Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen" Text: Kurt Rommel. Musik: Paul Gerhard Walter

    Herr gib mir Mut zum Brücken bauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt. Lass mich auf deine Brücken trauen und wenn ich gehe, geh du mit.

    Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben seh'n. Ich möchte über Zäune schauen und über hohe Mauern geh'n.

    Ich möchte gerne Hände reichen, wo jemand harte Fäuste ballt. Ich suche unablässig Zeichen des Friedens zwischen jung und alt.

    Ich möchte nicht zum Mond gelangen, jedoch zu meines Feindes Tür. Ich möchte keinen Streit anfangen. Ob Friede wird, liegt auch an mir.

  • Wir sprechen gemeinsam das Eröffnungsgebet
  • Einführung in das Thema

    "Nicht Mauern braucht das Heilige Land, sondern Brücken!" Dies ist ein Zitat. Papst Johannes Paul II. kritisierte mit diesen klaren Worten am 16. November 2003 vor einigen Tausend Pilgern auf dem Petersplatz die Errichtung des israelischen "Anti-Terror-Schutzwalls".

    Der "Apartheid-Zaun" ist in den größten Teilen (700 Kilometer) ein elektrisch geladener Metallzaun, in kleinen Teilen (insgesamt etwa 25 Kilometer) eine bis zu 8 Meter hohe Mauer aus Stahlbeton. Wenn es auch "nur" ein Zaun ist, so wird die Barriere von einem 70 Meter breiten militärischem Sperrgebiet (mit Straße, Graben, Stacheldraht) begleitet. Der Zaun wird zudem so angelegt, dass jüdische Siedlungen mindestens 2,5 Kilometer von ihm entfernt sind, palästinensische Siedlungen jedoch von ihm zerschnitten werden. Der Anti-Terror-Schutzwall folgt nicht der "Grünen Linie", der Grenze zwischen Israel und der West Bank vor dem Sechstagekrieg von 1967, sondern mäandert tief in die besetzten Gebiete hinein. Der Wall kostet 2 Millionen Dollar pro Kilometer.

    "Ein Zaun tötet niemanden." So begründet Israel die Notwendigkeit des Sperrwalls. Viel wichtiger sind jedoch die "Synergie-Effekte":

    • Landnahme durch Einschluss eines Großteils der nach internationalem Recht illegalen jüdischen Siedlungen
    • Die Palästinenser verlieren 2,9% ihres Landes, das sind jedoch 80% ihres fruchtbaren Landes und 65% ihrer Wasserresourcen
    • Systematische Vertreibung der Palästinenser durch Ghetto-Bildung und Apartheid-Politik

    Bislang wurden ca. 150 Kilometer fertiggestellt. Dabei wurden 36 palästinensische Siedlungen zerschnitten, 83000 Olivenbäume gefällt, 32 Brunnen annektiert und 35 Kilometer Wasserleitungen zerstört. Unterbrochen wird der Zaun neben Wachtürmen mit Scharfschützen (alle 300 Meter) auch von 5 Haupttoren und 26 "Agrar-Toren", die jedoch nur mit Passierscheinen durchschritten werden dürfen.
    Als Begleitmaßnahme zum Zaun errichtet Israel ein Nord-Süd-Verbindungsstraße, die von einem Sicherheitstreifen begleitet wird. Diese Straße vereinnahmt 17% des Westjordanlandes.

    "Für Europa würden wir in Palästina ein Stück des Walles gegen Asien bilden. Wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen."
    Auch dies ist ein Zitat. Von Theodor Herzl aus seinem Buch "Der Judenstaat", 1896.

    Christoph Enzinger

  • Frauen: Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke,
    Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter,
    mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge,
    mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht.

    Männer: Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!,
    und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
    Mich umfingen die Fesseln des Todes,
    mich erschreckten die Fluten des Verderbens.

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Die Bande der Unterwelt umstrickten mich,
    über mich fielen die Schlingen des Todes.
    In meiner Not rief ich zum Herrn,
    und schrie zu meinem Gott.

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen,
    mein Hilfeschrei drang an sein Ohr.
    Da wankte und schwankte die Erde,
    die Grundfesten der Berge erbebten. Sie wankten,
    denn sein Zorn war entbrannt.

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Er griff aus der Höhe herab und fasste mich,
    zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.
    Er entriss mich meinen mächtigen Feinden,
    die stärker waren als ich und mich hassten.

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Er führte mich hinaus ins Weite,
    er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.
    Mit dir erstürme ich Wälle,
    mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Vollkommen ist Gottes Weg, das Wort des Herrn ist im Feuer geläutert.
    Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen.
    Denn wer ist Gott als allein der Herr,
    wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?

    Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

    Psalm 18

  • Entzünden der Osterkerze
  • Friedensgruß
  • Lied: "Yarabba ssalami" ("Du Gott des Friedens")
  • Impuls

    Antonia Himmel-Agisburg

  • Lesung

    Weh denen, die das Recht in bitteren Wermut verwandeln und die Gerechtigkeit zu Boden schlagen.
    Er hat das Siebengestirn und den Orion erschaffen; er verwandelt die Finsternis in den hellen Morgen, er verdunkelt den Tag zur Nacht, er ruft das Wasser des Meeres und gießt es aus über die Erde - Jahwe ist sein Name. Plötzlich wird er den Starken vernichten und über die befestigten Städte bricht die Vernichtung herein. Bei Gericht hassen sie den, der zur Gerechtigkeit mahnt, und wer Wahres redet, den verabscheuen sie. Weil ihr von den Hilflosen Pachtgeld annehmt und ihr Getreide mit Steuern belegt, darum baut ihr Häuser aus behauenen Steinen - und wohnt nicht darin, legt ihr euch prächtige Weinberge an - und werdet den Wein nicht trinken. Denn ich kenne eure vielen Vergehen und eure zahlreichen Sünden. Ihr bringt den Unschuldigen in Not, ihr lasst euch bestechen und weist den Armen ab bei Gericht. Darum schweigt in dieser Zeit, wer klug ist; denn es ist eine böse Zeit.

    Amos 5,7-13
  • Stille
  • Freie Fürbitten

    Großer Gott, Du bist der Gott Israels und Jakobs, Du bist der Gott aller Menschen, die dich suchen und nach deinen Geboten leben.

    Die Mauern dieser Welt in Palästina, in Indien, in den Gefängnissen und auch in den Köpfen der Menschen empören uns, weil sie Unrecht schaffen und Leid zufügen. Die Spirale der Gewalt scheint endlos, nicht aufzuhalten.

    Wir wenden uns an dich, du Retter der Welt, Bitte hilf uns, unsere Wut, Trauer und Hilflosigkeit in Liebe zu verwandeln, und zeige uns Wege, wie wir aktiv zum Frieden in dieser Welt beitragen können.

  • Vater unser
  • Lied: "Shalom chaverim" (DweSs 607)
  • Text: Andreas

    Ulrich Schaffer

  • Lied: "Mit meinem Gott spring ich über Mauern" Text und Musik: Herbert Adam