Glaskunst in Taizé

Nachdem Papst Johannes XXIII. am 25. Jänner 1959 ein ökumenisches Konzil angekündigt hatte, lud Fr. Roger katholische Bischöfe und evangelische Pastoren zu Treffen nach Taizé (im September 1960 und 1961) ein. Doch neben diesen geistlichen Herren kamen zu den ersten ökumenischen Gesprächen seit 400 Jahren auch viele neugierige, suchende, sich für die Ökumene begeisternde Jugendliche, so dass sich die Dorfkirche als zu klein erwies.
Sechzig Freiwillige aus Deutschland halfen im Rahmen der "Aktion Sühnezeichen" eine größere Kirche zu bauen. Diese von Fr. Denis Aubert geplante "Kirche der Versöhnung" (Eglise de la Réconciliation) wurde im Sommer 1961 begonnen und am 6. August 1962, dem Tag der Verklärung Christi geweiht.
Die Versöhnungskirche in Taizé Die einzige künstlerische Gestaltung der Kirche sind die (zahlreichen) Glasfenster im Altarraum, als Oberlichten, das große, "Fenster von der Zukunft Gottes" (vermutlich von Fr. Marc) am Portal. Dieses Fenster kommt leider heute durch die Kirchenerweiterung und dem damit verbundenen Abriss der Fassade zu Ostern 1971 nicht mehr zur Geltung.
Am auffälligsten sind die (am Foto als quadratische Bullaugen erkennbaren) Fenster (von Fr. Eric) an der Südseite der Kirche.

neues Fenster Wer heute die Kirche betritt, zählt 8 Fenster in einer Reihe. Offenbar wurde bei der Erweiterung der Kirche ein zusätzliches Fenster ausgebrochen.

Jedes Fenster wird von einer Farbe dominiert: Weiß, die Farbe der Reinheit, Verklärung und Herrlichkeit; Grün, die vermittelnde Farbe der Hoffnung, der Menschlichkeit und des Lebens; Rot, Farbe der Liebe, des Blutes, des Feuers und des Hl. Geistes; Violett, die Farbe des Gleichgewichts zwischen Erde und Himmel, zwischen Liebe und Weisheit; Blau, Farbe der Wahrheit, der Unergründlichkeit und des Himmels. Interessant ist das fast völlige Fehlen von Gelb und Braun.

Fenster: Die Verklärung Die Verklärung

Während Jesus betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. (Lk 9,29-31)

Keineswegs zufällig wurde die Einweihung der Versöhnungskirche auf den Tag der Verklärung Christi gelegt. Tatsächlich müssen wir uns daran erinnern, wie Christus sein Werk der Umwandlung (transfiguration) in uns und in unserem Nächsten vollzieht. Er kehrt die allerinnersten Widerstände um, die sich der Versöhnung widersetzen. Er durchdringt allmählich mit seinem Licht die dunkelsten Stellen unserer Schatten. (Fr. Roger in seiner Presseaussendung zur Weihe der Versöhnungskirche)

Die Jünger schauen den verklärten Christus und möchten in diesem überstrahlenden Licht bleiben; sie wissen, dass sie an einem Höhepunkt ihres Lebens stehen. Aber sie müssen wieder vom Berg hinuntersteigen. Dies gilt für jeden Glaubenden: wieder hinuntersteigen, um in den Zerspaltungen der Familie der Christen und in den Rissen der Menschheitsfamilie Frieden und Versöhnung zu stiften, so dass durch das Licht Christi in uns auch ein Mensch, der nicht glauben kann, zur Hoffnung Gottes hingezogen wird, ohne zu wissen wie. (Fr. Roger, Jeder Tag ein Heute Gottes)

Fenster: Die Verkündigung an Maria Die Verkündigung an Maria (L'Annonciation)

Der Engel trat bei Maria ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
(Lk 1,28-29)

Mit Maria beten, heißt beten, was ihr als Antwort auf den Gruß des Engels zutiefst aus dem Herzen sprach: "Mir geschehe nach deinem Willen." Zur Erfüllung seines Willens verlangt Gott, dass menschliches Verlangen weder zerstört noch vergöttert, sondern in der inneren Stille in eine noch tiefere Sehnsucht eingebettet wird: in die Leidenschaft für Christus, der in seiner Kirche tagtäglich zu unserer eigentlichen Liebe und zugleich zum Gedicht einer Liebe zu Gott wird. (Fr. Roger)

Fenster: Maria bei Elisabet Maria bei Elisabet

Maria ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. (Lk 1,40-47)

Maria singt das "Magnificat". In jungen Jahren war es ihr gegeben, in einer prophetischen Vision vorauszuahnen, dass durch das Kommen ihres Sohnes die Geringen nicht gedemütigt werden, sondern ihren vollen Platz in der Menschheitsfamilie haben. (Fr. Roger)

Fenster: Epiphanie Epiphanie (Les Rois Mages)

Die Sterndeuter gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. (Mt 2,11)

Gleich nach dem Gespräch mit Edith stieg ich in den Zug, wo ich das Gespräch mit mir selber fortspann. Erinnern Sie sich noch, Edith, an die Epiphaniasfeier am 6. Januar 1929 oder 1930? Diese festlichen Augenblicke haben in mir Fragen aufgeworfen, sie haben an mir gearbeitet. Und Epiphanias ist für Taizé ein wichtiges Fest geworden. (Fr. Roger in seinem Tagebuch am 11. Juni 1972)

Fenster: Der Einzug in Jerusalem Der Einzug in Jerusalem

Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin. (Joh 12,14-15)

 
 

Fenster: Das Lamm Gottes Das Lamm Gottes (Ostern)

Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. (Joh 1,29b)

Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. (Jes 53,7)

Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. (Offb 5,12-13)

Es gibt keine Nächstenliebe ohne das Kreuz. Das Kreuz allein lässt uns erkennen, wie unergründlich tief die Liebe ist. (Fr. Roger, "Die Regel von Taizé")

Welches ist, für alle, das Größte unter den Risiken, vor die uns dieser von Herzen Demütige stellt? Es ist dies: Ostern, den Durchgang, mit Jesus zu durchleben. Mit ihm durch den Tod zum Leben vorstoßen, ihn manchmal in seinem Todeskampf für die ganze Menschheitsfamilie begleiten; und tagtäglich bereits die Auferstehung mit ihm beginnen. (Fr. Roger, "Einer Liebe Staunen", 1978)

Fenster: Die Himmelfahrt Die Himmelfahrt

Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet. Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben. (Lk 24,49-51)

Nachdem Jesus, der Herr, zu ihnen gesprochen hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. (Mk 16,19)

Darauf verzichten zurückzuschauen, in den Spuren Christi laufen. Er führt uns auf einen Weg des Lichts: Ich bin, aber auch: Ihr seid das Licht der Welt. (Fr. Roger)

Fenster: Der heilige Geist Der heilige Geist (Pfingsten)

Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. (Mk 1,10)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2,1-4)

Gott aller Liebe, oft vergessen wir, dass in uns das Feuer des Heiligen Geistes brennt. Du aber kennst unser Menschsein, du weißt, dass wir vergesslich sind und manchmal nicht einmal an das Wesentliche denken. Und du lässt uns schlicht in deiner Gegenwart sein, in ganz einfacher Erwartung. (Fr. Roger, In allem ein innerer Friede)

Fenster: Abraham und Isaak Abraham und Isaak

Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? (Gen 22,7)

Das ist ein Weg, der der menschlichen Vernunft geradewegs zuwiderläuft. Wie Abraham kannst du nur im Glauben auf ihm voranschreiten; du siehst ihn nicht und bist doch sicher, dass jeder, der sein Leben um Christi willen verliert, es wiederfinden wird. Geh daher auf den Spuren Christi voran. (Fr. Roger, Introduction ŕ la vie communitaire, 1941)

Dieses fast lebensgroße Fenster befindet sich in der Unterkirche.
 
 

Fenster: Franz von Assisi Franz von Assisi

Der heilige Franziskus ging auf das Feld und begann den Vögeln, die auf der Erde waren zu predigen und plötzlich kamen auch diejenigen, die auf den Bäumen waren, alle zusammen dazu und blieben still während er predigte; und danach flogen sie auch nicht weg bis er ihnen seinen Segen erteilte... (Fioretti, c. 16)

Die Geschichte kennt einen Zeugen einer echten Reform, den heiligen Franz von Assisi. Er hat für die Kirche gelitten und hat sie nach dem Vorbild Christi geliebt. (Fr. Roger, "Im Heute Gottes leben", 1958)

Das Franziskus-Fenster befindet sich in der 1125 dem heiligen Martin geweihten, romanischen Dorfkirche von Taizé.

Bildnachweis: Toni Schneiders 1966 (Kirche), Benjamin Schmit 2004 (9), Mark Coley 1996 (Abraham und Isaak)

Christoph Enzinger, Abendgebet mit Gesängen aus Taizé