Ikonen in Taizé

Ikonen in Taizé

Ikonen tragen dazu bei, dass im Gebet die Schönheit einen Platz hat. Sie sind wie Fenster, die auf die Wirklichkeit des Reiches Gottes hin geöffnet sind und sie gegenwärtig machen, wo immer Menschen auf der Erde beten.

So beginnt ein kurzer Artikel über Ikonen auf der Website der Communauté de Taizé.
"Schönheit"? Als ich das erste Mal nach Taizé kam, fühlte ich mich in der Versöhnungskirche sehr wohl. Einzig die Ikonen befremdeten mich, ja sie störten mich sogar ein wenig. Ich empfand die Ikonen nicht als "schön". Erst 10 Jahre nach meinem ersten Taizé-Aufenthalt bekam ich einen Zugang zum Wesen der Ikonen.

Fenster zum Urbild
Ikonen sind keine Andachtsbilder. Im Unterschied zu diesen und anderen Bildern in westlichen christlichen Kirchen sind Ikonen Vergegenwärtigung von heiligen Überzeugungen, sie sind theologische Verkündigung. Wie in der Feier der Eucharistie Christus gegenwärtig ist, so vergegenwärtigen Ikonen die abgebildeten Personen. Der Blick auf eine Ikone soll wie durch ein Fenster einen Dialog mit dem abgebildeten Urbild ermöglichen. Um nicht durch künstlerische Phantasie von der Verehrung des Urbildes abgelenkt zu werden, ist festgelegt, was auf jeder Ikone dargestellt werden darf und muss. Ikonenmalerei gilt daher als religiöses Handwerk, nicht als Kunst. Ikonen werden nicht signiert, da der Maler demutsvoll hinter seinem Werk zurücktritt.

Abbild der Wirklichkeit
Ikonen sind nicht realistisch. Die Figuren sind gewöhnlich frontal dargestellt, nicht im Profil, um eine unmittelbare Beziehung zwischen Bild und Betrachter herzustellen. Die Darstellung ist strikt zweidimensional. Dadurch wird betont, dass die Ikone Abbild der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst ist.
Es gibt weder Lichtquellen noch Schatten. Ikonen sind von der Herrlichkeit Gottes erleuchtet.
Die Farben, die relative Größe der Figuren und ihre Positionen sind nicht naturalistisch, sondern haben symbolische Bedeutung.
Die Perspektive, wenn vorhanden, wird oft gewollt "umgekehrt" konstruiert, sodass der Fluchtpunkt vor dem Bild liegt. Dadurch wird der Betrachter einbezogen. Er wird eingeladen, am göttlichen Geschehen teilzunehmen.
Oft gibt es auf Ikonen Beschriftungen. Sie sind Hinweise auf das nicht darstellbare Göttliche. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Bezug auf eine reale Person immer erhalten bleibt und sich die Verehrung der Ikone nicht verselbständigt.

Orthodoxes Zentrum
Im Februar 1962 wurden Fr. Roger und Fr. Max von Athenagoras, dem Patriarchen von Konstantinopel, nach Istanbul eingeladen. Während des einwöchigen Aufenthalts keimte die Idee der Gründung eines orthodoxen Zentrums in Taizé. Auf der Rückreise besuchten die beiden die Patriarchen von Bulgarien und Jugoslawien, die auch diese Idee unterstützten. Am 15. April 1963 war die Grundsteinlegung, am 30. August 1965 wurde das Zentrum eingeweiht. Sehr viel kleiner als geplant entstand nur eine Kapelle unmittelbar neben der Krypta der Versöhnungskirche. Patriarch Athenagoras schrieb dazu "Das Zentrum soll als Brücke dienen, um dem Westen die Reichtümer des geistigen, liturgischen und theologischen Erbes der Orthodoxie zu übermitteln."
Aus dieser Zeit stammen die Ikonen, die in Taizé Verwendung finden. Die Marienikone beispielsweise wurde 1962 vom damaligen Leningrader Metropoliten Nikodim bei einem Besuch in Taizé gesegnet.

Ikone: Christus und sein FreundJesus und sein Freund

Die "Ikone der Freundschaft" ist eine der beliebtesten Ikonen in Taizé. Die Beschriftung verrät, wer hier dargestellt ist: Links der heilige Abt Menas ("Vater Menas, Wächter") und rechts Jesus Christus, der Retter ("Soter", auch erkennbar am Kreuz-Heiligenschein). Der Heilige Menas war erst Soldat, dann Abt des Klosters Bawit in Ägypten. Er starb 296 als Märtyrer.

Abt Menas ist zweimal mit den gleichen Worten beschriftet, einmal vor dem Hintergrund des Himmels, einmal vor der Landschaft. Damit soll betont werden, dass Menas sowohl in der Welt als auch im Himmel zuhause war.

Christus hält in der linken Hand das Evangeliar, die rechte Hand legt er seinem Freund, Zeugen und Begleiter liebevoll über die Schulter. Menas scheint mit seiner rechten Hand auf Christus hinzuweisen: Er ist es, der mir "Rückendeckung" gibt.
Dieses Motiv stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von Anubis-Darstellungen, der als Totenbegleiter in derselben Weise seine rechte Hand auf die Schulter der Verstorbenen legt.

Die 57 x 57 cm große, koptische Ikone (typisch: die großen Köpfe und die riesigen Heiligenscheine) wurde im 6./7. Jahrhundert angefertigt und befindet sich im Louvre in Paris.

Ikone: Maria mit dem KindWladimirskaja (Muttergottes des Erbarmens)

Von besonderer Bedeutung bei der Darstellung Marias ist die Ikone der "Gottesmutter von Wladimir". Die Ur-Ikone dieses Typs wurde im Auftrag des Fürsten Isjaslaw von Kiew in Konstantinopel gemalt und gelangte 1132 als kaiserliches Geschenk nach Kiew, von wo sie 1155 vom Fürsten Boguljubskij nach Wladimir entführt wurde und 1315 schließlich in Moskau landete. 1395 wurde sie zur Patronin des russischen Reiches erhoben, weil sie die Befreiung von den Mongolen unter Tamerlan erwirkt haben soll. Die Ikone trägt daher den Ehrentitel "Mutter der russischen Erde". Sie entsprang dem Typ der Erbarmerin (gr. Eleousa, russ. Umilenye), die sich liebevoll Christus zuwendet. Jedoch ihr Blick ist direkt auf den Betrachter der Ikone gerichtet.

Fr. Eric (de Saussure) malte diese Ikone, dem festgelegten Aufbau folgend. Wie im Original ragt der Heiligenschein über den Bildgrund (Kowtscheg) hinaus, ein Stilelement zur Vermeidung von Realismus. Die Ikone ist mit "IS+CHS" (Jesus Christus) und "MP+THOV" (Mutter Gottes) beschriftet.

Die Sterne der Muttergottes
Auf dem Umhang (Maphorion) der Muttergottes findet man zwei "Sterne". Eigentlich sind es drei (einer befindet sich auf der rechten Schulter und ist durch das Kind verdeckt) und eigentlich handelt es sich um drei verzierte Kreuze. Diese sind wahrscheinlich in dem Brauch der Urchristen begründet, Kreuze, sogar eintätowiert, auf der Stirn und an den Handgelenken zu tragen. Dieser Brauch exsistiert heute noch in Äthiopien. Die ursprüngliche Bedeutung der Kreuze ist indess nicht geklärt. Manchmal findet man nämlich an deren Stelle auch drei Kreise aufgemalt, in denen ein Engel abgebildet ist. Man nahm an, dass sie die Dreifaltigkeit symbolisieren sollten. Dennoch ist es allgemeiner Brauch geworden, die drei Kreuze als Symbol Marias ewiger Jungfernschaft zu deuten: Sie war Jungfrau vor, während und nach der Geburt Christi.

Ikone: Die Kreuz-IkoneDie Kreuz-Ikone

Die Kreuz-Ikone aus Taizé hat keine Vorbilder in der Ostkirche: Die Beschriftung (INRI) ist lateinisch, es fehlen der für orthodoxe Kreuze typische dritte, schiefe Querbalken und wesentliche Details (wie z.B. der Schädel Adams). Der Künstler (vermutlich Fr. Eric) ließ sich vielmehr von dem Kreuz von San Damiano, das zum Heiligen Franziskus gesprochen hat, inspirieren.

Eine Kreuzigungsikone soll nicht beim menschlichen Leiden verharren, sondern Gottes Herrlichkeit zeigen; es soll Jesu Auferstehung bereits mit dargestellt werden. Christus hängt daher nicht am Kreuz, sondern "schwebt" davor. Er scheint zu schlafen. Die überlangen Finger und der fast filigrane Körperbau sind ein Zeichen für die Loslösung von der Welt.

Der Kelch des Heils
"Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille." (Mt 26,42)
Ein Engel, der über dem Kreuz schwebt, hält diesen Kelch in Händen: "Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn." (Ps 116,13)
Das Feld hinter dem Engel - das nicht mit dem Kreuz in Verbindung steht - symbolisiert das leere Grab. Daher verkündet der Engel auch: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier." (Mk 16,6)

Maria und Johannes
Maria blickt vertrauensvoll zu Jesus hoch. Sie steht in enger Verbindung zu ihm. Sie berührt ihn mit den Händen und leidet mit ihm. Auch Johannes leidet mit Jesus - betroffen von Jesus Tod legt er eine Hand an den Hals.

Die Kreuz-Ikone demonstriert die "Bedeutungsperspektive": Auf vielen Ikonen richtet sich die Größe der dargestellten Personen nach deren Wichtigkeit.

Ikone: WeihnachtenRozdestvo Christovo (Die Geburt Christi)

Bis in die Romanik wurde in der christlichen Kunst die Geburt Christi in dieser Weise dargestellt. Die uns vertrauten Krippendarstellungen entstanden erst nach Franz von Assisi, der 1223 in Greccio zum ersten Mal Josef und Maria um das Kind arrangierte.
Zentrale, vorherrschende Gestalt der Weihnachtsikone ist die Jungfrau Maria, die Gottesmutter. Der rote Stoff, auf dem sie liegt, hat die Form einer Mandorla. (Die Königsfarbe purpur ist in Ikonen der heiligen Maria vorbehalten.) Als Symbol der Bereitschaft vor Gott ist sie vor der Geburtsgrotte dargestellt.
Die dunkle Höhle, aus der Ochse und Esel zusehen, hat verschiedene Bedeutungen. Sie gilt als Symbol für den jungfräulichen Schoß der Gottesmutter, aber auch als Sinnbild der durch die Sünde der Menschen mit Nacht und Tod geschlagenen Welt. Die Geburtshöhle wurde auch mit der Grabeshöhle in Verbindung gesetzt, das Weihnachtsfest und das Osterfest wurden dadurch miteinander verbunden.
Drei Engel schauen in die Grabhöhle; das Kind ist in Totenbinden gewickelt und liegt nicht in einer Krippe, sondern in einem mit "IC" beschrifteten Sarkophag: Die Geburt Christi erhält nur Sinn durch Passion und Auferstehung.

Die drei Magier sind links oben als Reiter dargestellt. In ihren wallenden Gewändern und den typischen Mützen sind sie als Orientalen erkennbar.
Ein Strahl vom Himmel trifft die Höhle: Das Licht leuchtet in der Finsternis... (Joh 1,5). Rechts oben schauen zwei Engel zu, ein Engel verkündet zwei Hirten die Geburt Christi.

Das Bad des Kindes
In der Höhle unter der Geburtsbasilika in Bethlehem wird noch heute eine Quelle gezeigt, in der Jesus gebadet wurde, und im apokryphen Protoevangelium des Jakobus wir berichtet, wie zwei Hebammen die jungfräuliche Geburt Jesu bezeugen.
Folgerichtig sind rechts unten zwei Hebammen dargestellt, die im Begriff stehen, Jesus (das Kind ist mit "ICXC", "Jesus Christus" beschriftet) zu baden. Das Baden ist ein Hinweis auf die menschliche Natur Jesu. Zudem wird hier betont, dass Jesus zu den Sündern kommt - Hebammen waren in der Antike eine nicht sehr angesehene Berufsgruppe, vorwiegend ehemalige Prostituierte.

Joseph
Links unten sitzt Joseph in Gedanken versunken. Da er gemäß der biblischen Erzählung nicht der leibliche Vater Jesu ist, wird er - um keinen anderen Verdacht aufkommen zu lassen - als alter Mann, in großer Distanz zum Geschehen dargestellt. Die Gestalt vor ihm ist der Prophet Jesaja, der ihn lehrt: "Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht." (Jes 11,1)
Nach einer anderen Deutung ist es der Teufel in der Gestalt eines weisen Greises, der Joseph überzeugen möchte, dass eine Jungfrauengeburt unmöglich ist.

Ikone: Die Taufe JesuIkone: Die Taufe JesuBogojavienie (Die Taufe Jesu)

Am 6. Jänner feiert die Ostkirche das Fest der Theophanie, der dreifaltigen "Gotteserscheinung" bei der Taufe Christi.
Die Taufe Christi erhielt schon sehr früh im byzantinischen Bereich einen ikonographisch feststehenden Aufbau. In der Mitte zwischen zwei Felsen fließt der Jordan. Christus empfängt, entblößt im Fluss stehend, durch Handauflegung die Taufe. Johannes der Täufer steht am linken Ufer, rechts sind drei Engel mit ehrfurchtsvoll verhüllten Händen zu sehen. Von oben fällt ein göttlicher Strahl des Heiligen Geistes auf die Szene. Aufgetürmte Berge wecken Assoziationen an die Geburtshöhle und die Grabeshöhle.

Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. (Mt 3,10) Dies ist ein Zitat aus der Bußpredigt des Johannes. Und richtig: Hinter Johannes lehnt eine Axt an einem Baum.

Christus ist nackt. Er wird dadurch in Beziehung gesetzt zur Nacktheit des Adam: Christus ist der neue Adam, der für die Menschheit das Paradies zurückgewinnt.

Die Dämonen fliehen
"Das Meer sah es und floh, der Jordan wich zurück". (Psalm 114,3) Meer und Jordan sind personifiziert als männliche Gestalten zu Füßen Christi dargestellt. Im Wasser tummeln sich noch dämonische Fische mit gefährlichen Mäulern, zwei rote und zwei goldene. Jesus betritt den dunklen Jordan in einer höhlenartigen Schlucht. Es ist die Welt der Finsternis der gefallenen Menschheit, das Bild der Sünde und des Todes. Durch seine Gegenwart wird es zum Bild der Reinigung und Neugeburt.
Mit beiden Händen macht er eine Segensgeste. Er segnet das Wasser des Jordan und damit das Wasser der ganzen Welt.

Auf einer Ikone in unserer Kirche ist die Taufe Christi dargestellt. Johannes der Täufer zeigt mit seinem Finger auf Christus, nicht auf sich selbst. Je weiter wir kommen, desto deutlicher begreifen wir, dass von uns schlicht erwartet wird, auf diesen Christus, der Gemeinschaft ist, zu verweisen. (Fr. Roger)

Ikone: AnastasisIkone: AnastasisAnástasis (Die Höllenfahrt Jesu)

Aus der Überzeugung heraus, dass die Auferstehung Christi nicht darstellbar ist, wird als Oster-Ikone der Abstieg Jesu in die Unterwelt am Karsamstag dargestellt. Von diesem Ereignis berichtet die Bibel nicht direkt, aber aufgrund verschiedener Hinweise und apokrypher Schriften wurde es zu einem christlichen Glaubensinhalt. Selbst im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es "hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten".

Vor dem Hintergrund einer stark zerklüfteten Felsenlandschaft hat Christus mit energischer Pose die Pforten der Unterwelt zertreten, daneben liegen noch verbogene Nägel, abgerissene Scharniere, ein Schlüssel und (auf der linken Ikone) Werkzeuge wie Zange und Axt, die Jesus dienlich waren. In der Osternachtsliturgie der Ostkirche heißt es: "Heute ruft der Hades und stöhnt: Besser wäre mir gewesen, ich hätte Mariens Sohn nicht aufgenommen. Denn da er zu mir gekommen, hat er meine Herrschaft vernichtet und die ehernen Tore zertrümmert; die Seelen, die ich einst besaß, hat als Gott er auferweckt."

Die Geretteten
"Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, ja er nimmt mich auf. (Psalm 49,16)
Rund um Christus sind die Menschen dargestellt, die er aus der Unterwelt befreit hat. Jesus fasst Adam am Handgelenk, er wird gezogen, er muss (und kann) nichts zu seiner Rettung beitragen. Eva kniet mit verhüllten Händen auf der anderen Seite.
Links stehen noch die Könige David (mit Bart) und Salomo (bartlos), dahinter Johannes der Täufer und, meist einwenig verdeckt, der Prophet Daniel. Er wird meist mit einer kleinen roten Kappe dargestellt. Die rechte Gruppe wird von Moses angeführt. Die Männer hinter ihm deutet man als Jona, Elia und andere.

Ikone: Die Hl. DreifaltigkeitTroica (Agia Triada, Die Hl. Dreifaltigkeit)

Über Jahrhunderte wurde in der jungen Christenheit diskutiert, wie das göttliche Gebot "Du sollst dir kein Gottesbildnis machen" (Dtn 5,8) zu interpretieren ist. Jesus Christus machte sich durch seine Menschwerdung selbst abbildbar, von den beiden anderen göttlichen Personen ist in der Bibel kein eindeutiges Bild überliefert. Als einziger bildlich-greifbarer Hinweis auf den dreieinigen Gott wird in der orthodoxen Tradition schon früh der Besuch der drei Männer bei Abraham (Gen 18,1-33) gedeutet: "Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. [..] Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen."

Andréj Rubljów
Im Lauf der Zeit rückten Abraham und Sara immer mehr in den Hintergrund. In der dem russischen Malermönch Andréj Rubljów zugeschriebenen, etwa 1411 entstandenen Ikone ist die theologische Deutung noch weiter zugespitzt: Das Zelt Abrahams wird zum Tempel-Palast, die Eiche wird zum Lebensbaum, die als Engel dargestellten Wanderer sitzen an einem Altar, das zur Speise hergerichtete Kalb wird zum eucharistischen Kelch.

Drei Engel
Die Engel halten Stäbe als Sinnbild ihrer Autorität in den Händen. Die drei Gestalten sind sich sehr ähnlich, aber nicht gleich; es sind jedoch keine Rangunterschiede zu erkennen.
Es gibt unzählige Deutungen, welcher Engel welche göttliche Person symbolisiert. Dies wird durch die Farben der Gewänder, die Handhaltungen und durch Haus, Baum und Berg im Hintergrund begründet. Doch letztlich gehen diese Interpretationen an der Aussage der Ikone vorbei.
Die drei Figuren sind als Zeichen der Einheit in einen Kreis hineinkomponiert. An der vierten Seite des Altars wird der Betrachter eingeladen, Platz zu nehmen. Diese Einladung wird durch die umgekehrte Perspektive noch verstärkt.
Diese Ikone will uns daran erinnern, wie Gott Abraham begegnete und wie Gott auch uns gegenübertritt: als Bringer der Freude ("Sara lachte", Gen 18,12) und als persönliches Gegenüber, an das wir uns vertrauensvoll im Gebet wenden können ("Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden." Gen 18,31).

Die Darstellung der Dreifaltigkeit durch Rubljów wurde 1551 von einer Moskauer Synode als dogmatisch vorbildlich und verpflichtend bezeichnet.
Das 114 x 112 cm große Gemälde ist heute in der Tretjakow-Galerie in Moskau ausgestellt.

 


Sind Ikonen "schön"? Nun, Ikonen sind eine stille Einladung, Abstand zu nehmen von der lauten Welt, unseren Blick und unsere Sinne auf heilige, ewige Dinge hin zu lenken. Sie sind Fenster zum Himmel. Darin liegt die Schönheit der Ikonen.

Christoph Enzinger, Abendgebet mit Gesängen aus Taizé


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